Begabungsförderung und Montessori-Pädagogik

Die Förderung von begabten Schülern kennt viele Formen: Akzeleration, Enrichment, vorzeitige Einschulung, Drehtürmodell etc. wurden beschrieben. Die Umsetzung beinhaltet aber Entscheidungen, die für die soziale und emotionale Entwicklung des Kindes nicht unproblematisch sind. 

Die Unterrichtsorganisation einer Montessori-Schule begünstigt dagegen eine unkomplizierte Begabungsförderung:

Jahrgangsmischung

Schüler der Klasse 1 - 4 bilden eine Klassengemeinschaft. Sie können allein, in Partnerarbeit oder in Gruppen arbeiten. So werden kooperative Lernformen begünstigt. Ältere Schüler übernehmen Verantwortung für jüngere Mitschüler oder geben Hilfestellung. Die Schüler erlernen durch soziales Miteinander einen rücksichts- und respektvollen Umgang untereinander.

Wortsymbolarbeit

Vorbereitete Umgebung

Jede Klasse ist mit allen nötigen Lernmaterialien ausgestattet. Der Schüler erhält einführende Lektionen, wenn er für den Umgang mit dem Material bereit ist. Die Materialien sind so konzipiert, dass das Kind selbstständig damit arbeiten kann. Sie laden zum selbstentdeckenden Lernen ein, viele enthalten die Möglichkeit zur Selbstkontrolle.

Individuelles Lerntempo

Der Zeitpunkt der Materialeinführung ist nicht altersgebunden, sondern richtet sich nach der individuellen Lernentwicklung des Kindes. So können gut begabte Schüler, Schüler mit Begabungsspitzen, aber auch Kinder mit langsamem Lerntempo ohne Probleme miteinander lernen.

Auslegen des Dekanoms

Freiarbeit

Diese Arbeitsform ist wichtiger Bestandtteil des Montessori-Konzepts. Gemeinsam mit der vorbereiteten Umgebung ermöglicht die Freiarbeit den individualisierten Umgang mit den Materialien. Die Kinder wählen den Inhalt, die Sozialform und den Ort des Lernens.

Polarisation der Aufmerksamkeit

Ein Schüler arbeitet vielleicht voller Begeisterung mehrere Wochen an der "großen Multiplikationstafel". So kommt er zur "Polarisation der Aufmerksamkeit", einer vertieften Form der Aufmerksamkeit und inhaltlichen Einsicht in den Lernstoff. Danach ist er wieder frei für andere Lerninhalte. Nach Montessori normalisiert sich der Schüler so auch in seinem Verhalten durch tiefe Zufriedenheit mit seiner Arbeit.

Vertiefende Lerninhalte

Die vorbereitete Umgebung hält weiterführende Lernmaterialien bereit, die auch über den Grundschulstoff hinausgehen. Außerdem kann der Schüler ein Thema seines Interesses wählen und in Form eines Projekts ausarbeiten. Der Pädagoge unterstützt ihn dabei.

Fließende Übergänge

Dort, wo Kinderhaus, Grundschule und weiterführende Schule auf einem gemeinsamen Gelände angesiedelt sind, gehen schon Kinder aus dem Kinderhaus übergangsweise in eine Grundschulklasse. Gleiche Übergänge sind zur Sekundarstufe möglich.

Wissenschaftliche Untersuchungen

Es gibt nur wenige wissenschaftliche Überprüfungen zur Freiarbeit bei Montessori. Ester Grindel wies in ihrer Doktorarbeit, einer Pilotstudie, auf die positiven Effekte der Freiarbeit bei vier hochbegabten Kindern hin: Sie beschreibt, wie begabte Schüler selbstgesteuert im eigenen, oft schnelleren Lerntempo vorangehen. Die Schüler erarbeiten motiviert und konzentriert Themen zu eigenen Interessen und bauen so eine gute Arbeitshaltung auf. Grindel wünscht sich aber in der vorbereiteten Umgebung noch mehr Aufgaben zum problemorientierten, entdeckenden und kreativen Lernen. Mehr dazu hier.


Bildernachweis: Banner © A. Wolter/PIXELIO, Seite: © Karl Heinz Basten, www.pixelio.de