Sets mit Satzergänzungen lassen sich als projektive Verfahren für Beratung und Therapie nutzen. Spielerisch bieten sie Möglichkeiten zu diagnostischer Information und therapeutischer Intervention.

Allgemeine Merkmale der Arbeit mit Satzergänzungen
Wozu setze ich Satzergänzungen ein?
Satzergänzungskarten sind geeignet für die projektive Diagnostik sowie für Beratung und Therapie. Projektive Verfahren sind nicht quantifizierbar, sie werden qualitativ ausgewertet. Da Satzergänzungen direkt beantwortet werden können, sind diese ideal geeignet, um mit Patient*innen schnell und direkt ins Gespräch zu kommen. Ursprünge gehen auf Hermann Ebbinghaus zurück.
Wie verwende ich die Kartensets?

Melanie Gräßer schlägt vor, das ganze Set in einer Sitzung durchzugehen. Eva Wunder kann sich aber Karten auch als Einstieg in eine Sitzung, als Auflockerung bei stockenden Prozessen oder als Abschlussritual vorstellen. Es können auch gezielt themenbezogen Karten aus einer Kategorie für eine bestimmte Sitzung ausgewählt werden. Manchmal gibt es überraschende Ergebnisse, wenn man verdeckte Karten ziehen lässt. Man kann auch Karten zur häuslichen Reflexion ausgeben. Der Einsatz kann also vielfältig gestaltet werden.
Wie werte ich die Antworten aus?
Zunächst nutze ich die konkrete Ergänzung des Satzanfangs. Weitere Ansatzpunkte sind:
- das gewählte Thema
- die Zuordnung zu einer der Kategorien
- Ist die Antwort auf Vergangenheit, Gegenwart oder hypothetische Zukunftsvorstellungen bezogen?
- Geht es um Wertvorstellungen?
- Bezug auf Ressourcen oder Emotionen?
Kartensets mit Satzergänzungen
Melanie Gräßer bietet seit 2024 beim Hogrefe Verlag drei Kartensets zum Thema Satzergänzungen an, eines für Kinder, eines für Jugendliche und eins für Erwachsene.
Die Sets beinhalten 160-180 Karten, ein Beiheft mit ausführlichen Erklärungen über Anwendungsmöglichkeiten und einem Link für Online-Materialien, z.B. Protokolllisten.
Die Sets sprechen ein breites Spektrum an Themen an. Sie werden vor allem im Einzelsetting genutzt, es gibt aber auch Anwendungsformen für Gruppensettings. Im Booklet werden dazu verschiedene Spielvarianten vorgestellt.
Schade ist, dass die einzelnen Karten zwar nummeriert, aber nicht zusätzlich farbig nach Kategorien kenntlich gemacht sind.
Dies ist bei dem Set von Eva Wunder „Ich wollte schon immer einmal … “ der Fall. Alle Karten der elf Kategorien zeigen eine eigene Farbe und sind so schnell zu sortieren. Das ist bei 120 Karten sehr nützlich. Auch hier gibt es ein Booklet, aber keine Protokollliste, wie man sie bei Gräßer online herunterladen kann.

Ein weiteres empfehlenswertes Kartenset „Blitzlicht“ stammt ebenfalls von Eva Wunder und bietet Karten mit einer Bild-Text-Kombination. Es gibt mit 80 Karten ein überschaubares Angebot, welches auch nur in sechs Kategorien unterteilt ist. Die Bildkarten sprechen auch jüngere Klienten an. Ein Booklet mit allen angefangenen Sätzen ergänzt die Karten, aber auch hier fehlt eine Protokollliste. Das Set ist aber insgesamt thematisch eine gelungene Zusammenstellung. Neuerdings gibt es ein Fortsetzungsset.
