Zehnerübergang

Der Zehnerübergang ist für Schüler mit Dyskalkulie immer eine Herausforderung. Das Arbeitsgedächtnis muss hohe Leistungen erbringen. Hier eine Methode, die Entlastung schafft.

Zehnerübergang: Schrittweises Rechnen

Was leistet das Kind beim Zehnerübergang?

Das Kind muss die Zahlzerlegung bis zur Zehn beherrschen. Damit ist einerseits die Zahlzerlegung der Zehn gemeint, in Grundschulen oft als Wissen um „verliebte Zahlen“ betitelt. Denn nur so kann ich ohne Abzählen an den Fingern ermitteln, wie viele Einer bis zur Zehn fehlen. Dieser erste Schritt bis zur Ergänzung zur Zehn wird auch als „Zehnerstopp“ bezeichnet.
Dann muss das Kind ermitteln, wie viele Einer nach dem Zehnerstopp vom 2. Summanden noch zur Zehn hinzugefügt werden müssen. Daher muss das Kind auch die Zerlegung aller Zahlen bis Zehn automatisiert haben. Das Arbeitsgedächtnis muss also mehrere Schritte auf einmal im Kopf verarbeiten.


Kinder mit einer Dyskalkulie verfügen nicht immer über genügend Kapazität des Arbeitsspeichers, selbst wenn sie die Zahlzerlegungen beherrschen und anwenden können. Wie groß war noch der 2. Summand, wie groß war die Teilmenge, die ich bis zur Zehn benötigt habe, wie groß ist mein Rest?
Dazu gibt es verschiedene Verfahren, den Zehnerübergang zu bewältigen. Viele Mathematikdidaktiker befürworten eine flexible Anwendung verschiedener Verfahren. Das rechenschwache Kind ist aber oft schon mit der immer gleichen Strategie überfordert, weil es die geforderten Teilschritte nicht alle im Arbeitsgedächtnis speichern kann.

Übliches Verfahren beim Zehnerübergang – die „Hütchenschreibweise“

Sehr oft sieht man folgendes Schema: Es wird notiert, wie viele Einer bis zur Zehn benötigt werden. Die Anzahl der Einer wird links unter den 2. Summanden geschrieben. Das Kind muss den Teilschritt 7 + 3 = 10 im Kopf behalten. In das Feld rechts unter den 2. Summanden schreibt es nun die Anzahl der restlichen Einer des 2. Summanden. Es muss diese wieder im Kopf zur ersten Teilmenge hinzuaddieren. Dann erst kann das Ergebnis notiert werden.

Hütchenschreibweise und schrittweises Rechnen im Vergleich

Schrittweises Rechnen

Das halbschriftliche Verfahren, auch schrittweises Rechnen genannt, entlastet das Kind. Erst wird die Aufgabe aufgeschrieben. Dann der 1. Teilschritt zum Zehner verschriftet: 7 + 3 = 10. In der nächsten Zeile wird dann der 2. Teilschritt gerechnet und aufgeschrieben. Nun kann das Ergebnis in der ersten Zeile eingetragen werden. Mit diesem Verfahren fühlen sich meine Schüler viel sicherer. Später nehmen wir auch die Hütchenschreibweise dazu und vereinfachen das Aufschreiben immer weiter.

Umsetzung in Förderheften

Seit Jahren nutze ich die Förderhefte zum Zehnerübergang von Jens Sonnenberg. Der Sonderpädagoge gab die Hefte erst im Selbstverlag heraus, manche findet man auch bei Eduki. Alle Hefte lassen sich aber als Download bei LETOGO24 bestellen. Er verwendet konsequent die Darstellung des schrittweisen Rechnens. Die Arbeitsblätter sind großzügig aufgeteilt, Anfangs gibt es für jede Aufgabe ein Punktefeld zum Ausmalen. Am Rand sind die Zahlzerlegungen für den 2. Summanden aufgeführt. Ein weiteres Kästchen beinhaltet die Ergebnisse, die das Kind in Eigenkontrolle wegstreichen kann.

Zehnerübergang,Teilschritt 1
Teilschritt 2
Teilschritt 3

Ich lasse die Kinder anfangs die Aufgaben mit Wendeplättchen legen, erinnere mit einem Symbol-Zauberstab an den Zehnerstopp, dann erst wird in das Arbeitsblatt eingetragen („Eis-Prinzip“).

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