Lerntherapie-Modell Kanton St. Gallen

Im Urlaub vom Lerntherapie-Modell Kanton St. Gallen erfahren

Endlich Urlaub, nur Landschaft und viele Schafe … dachte ich nach einer anstrengenden Saison. Doch dann kam ich ins Gespräch mit einer Schweizer Volksschullehrerin aus unserer Reisegruppe. Was sie mir über das Lerntherapie-Modell Kanton St. Gallen erzählte, hörte sich fantastisch an.

Wieder zu Hause, schaute ich mich im Internet um und stieß auf den Verband Lega SG. Dort wird das Lerntherapie-Modell Kanton St. Gallen in wichtigen Details beschrieben. Dieses Modell deckt viele der Forderungen ab, die wir deutschen Lerntherapeuten fordern.

Lerntherapie-Modell Kanton St. Gallen-die wichtigsten Punkte:

  • Die Lerntherapie findet in der Schule statt.
  • Sie ist in die Unterrichtszeit eingebunden.
  • Die Lerntherapeuten sind Teil des Lehrkörpers und werden vom Staat bezahlt.
  • Sie arbeiten in einem eigenen Raum in der Schule.
  • Es gibt eine gute, zertifizierte Weiterbildung.

Ausbildung

Es gibt einen Zertifikatslehrgang an der Pädagogischen Hochschule St. Gallen. Um teilzunehmen, muss man allerdings Volksschullehrer mit mindestens einjähriger Berufserfahrung sein oder Lehrer mit einem Lehrauftrag (mindestens 4 Wochen-Lektionen) zur Förderung von Kindern mit Lernschwierigkeiten im sprachlichen oder mathematischen Bereich. Unter bestimmten Bedingungen übernimmt der Staat die Hälfte der Ausbildungskosten.

Inhalte der Ausbildung sind u.a.:

  • Deutsch- und Mathematikdidaktik,
  • Diagnose-, Förderplanung und Umsetzung,
  • Lehrplan Volksschule & Sonderpädagogik-Konzept
  • förderdiagnostische Elemente
  • multiprofessionelle Kooperation & Beratung

Einsatzbereiche

  • Klassische Legasthenie- und Dyskakulieförderung
  • Arbeit als Förderlehrperson in multiprofessionellen Teams.
    Hier ist auch in Absprache mit Klassenlehrer und Schulleiter der Einsatz im Unterricht vorgesehen.

Die Diagnostik wird über den schulpsychologischen Dienst erstellt. Es werden also einerseits Kinder der Primar- und Oberstufe versorgt, deren Rückstand von der Klassennorm mehr als ein Jahr beträgt. Andererseits werden Schüler mit Problemen in unterschiedlichen Bereichen wie Legasthenie, Dyskalkulie, Englischproblemen oder Konzentration, Ausdauer und Wahrnehmung versorgt. Die Kinder arbeiten entweder zielgleich nach einem individuellen Förderplan, aber zielgleich oder erhalten zieldifferente Aufgaben. Die Förderung wird immer schriftlich dokumentiert.

Rahmenbedingungen

Im Legasthenie- und Dyskalkulietraining erhält der Schüler zunächst Einzelunterricht für mindestens ein halbes Jahr, dann wechselt er in eine Kleingruppe. Nach zwei Jahren findet eine Neubeurteilung durch den psychologischen Dienst statt.

Fazit

Unseren Lerntherapeuten fehlen die Erfahrungen mit Kleingruppenarbeit. Auch denken sie sicher weniger häufig über die Arbeit mit zieldifferent geförderten Schülern nach. Wie ideal man als Sonderschullehrer und Lerntherapeut in Schule arbeiten kann, habe ich in einem früheren Blogartikel beschrieben.