Lerntherapie in Schule

LErntherapie in Schule, Bild mit Stichwörtern

Die verheerenden Ergebnisse des IQB Bildungsberichts 2021 für die Fächer Deutsch und Mathematik am Ende der 4. Jahrgangsstufe zeigen eine deutliche Abwärtsspirale bei den Kompetenzen der Schüler*innen. Lerntherapie in Schule könnte eine Hilfe für Grundschüler*innen mit Teilleistungsstörungen oder Lernschwächen sein. Deshalb teile ich die Ziele der aktuellen Blogparade von Susanne Seyfried zum Thema.

Zu meiner Person

Als Sonderschullehrerin und Lerntherapeutin (FiL/BVL) habe ich von 2011 – 2020 „Lerntherapie in Schule“ an zwei Grundschulen erprobt, einer Montessori-Schule und einer Brennpunktschule in Bochum. Daneben arbeitete ich in der Lehrerfortbildung (K-Team Bochum/Herne, Schulamt Bochum), in der Beratung für die Bezirksregierung Arnsberg im Bereich Legasthenie/Dyskalkulie einschließlich komorbider Störungen und mit einigen Stunden in eigener, freier Praxis.

Meine Erfahrungen mit Lerntherapie in Schule beziehen sich auf die Arbeit mit Fördergruppen. Einzelförderungen führte ich im Rahmen der eigenen Praxistätigkeit durch.

Lerntherapie in Schule ist präventive Arbeit

Erfolg haben durch Lerntherapie in Schule

Die präventive Arbeit nach dem RTI-Modell („Response-to-Intervention“, Gresham, Van Der Heyden & Witt, 2005) war für mich eine gute Leitlinie, um das hier beschriebenes Konzept zu entwickeln. Bekommen die Schüler durch Kleingruppentraining direkt Lerntherapie in Schule, erhalten sie sich ihre Lernfreude und können (u.U.) langfristig den Anschluss an die geforderten Kompetenzen erzielen.
Der Grundsatz „früh fördern statt spät sitzen bleiben“ (Dr. Jochen Klein, Hamburger Kreisel) spiegelt ebenfalls diesen Ansatz.

Lerntherapie in Schule ist professionelle Förderung

Der lerntherapeutische Ansatz ist Grundlage der Förderung. Mit evaluiertem (auf Wirksamkeit geprüftem) Fördermaterial werden systematisch Kernkompetenzen im Bereich Schriftsprache und Mathematik aufgebaut. In systemischer Sichtweise sind das ganze Kind mit seinen Stärken und Schwächen und sein gesamtes Beziehungsgefüge im Fokus (Wirkungsgefüge des Lernens, Betz Breuninger).

Diagnosekonzept und Lerntherapie

Flächendeckende Screening zu Schulbeginn im Rahmen von Lerntherapie in Schule

Dank eines guten Diagnosekonzepts, wie ich es gemeinsam mit den Kolleg*innen entwickeln konnte, beginnt die präventive Förderung mit der Einschulung. Seien es Lücken in der phonologischen Bewusstheit oder eine langsame Entwicklung der mathematischen Vorläuferfunktionen, Unterstützung kann von Anfang an wirksam greifen:

  • Flächendeckende Screenings ab der Einschulung decken Förderbedarfe rechtzeitig auf. „Kurze Wege“ in Schule bedeuten schnellen, unkomplizierten Austausch mit Kollegen.
  • Es gibt kein Ausgrenzen, Aussortieren oder Abstempeln, sondern temporäre Unterstützung, so viel wie möglich und solange wie nötig.
  • Alle Schüler mit Förderbedarf beim Lesen, Schreiben und Rechnen werden in der Unterrichtszeit da abgeholt, wo sie stehen. Kinder mit Teilleistungsstörungen profitieren genauso von diesem Ansatz, wie Schüler mit einer generellen Lernschwäche.
  • Später folgen in Abständen durch die Schuljahre vertiefende, normierte Tests in allen Förderbereichen, auch für die Erstellung und Evaluation der Förderpläne.
  • Schulische Förderung ist nach diesem Konzept Gruppenförderung. Die Gruppengröße sollte 4-6 Schüler*innen nicht übersteigen.
  • Man kann den Unterricht in Deutsch und Mathematik für einen Jahrgang parallelisieren. In Montessori-Schulen lassen sich die Freiarbeitsphasen für die Förderung nutzen.
  • Es werden geldliche und zeitlichen Ressourcen durch das inklusive Angebot in Schule eingespart.

Fazit aus meinen Erfahrungen

Nicht immer ist die lerntherapeutisch orientierte Kleingruppenförderung ausreichend. Dann ist die Aufnahme eines individuellen lerntherapeutischen Einzeltrainings ergänzend notwendig.

Lerntherapie in Schule alserfolgreicher Förderansatz

Für mich und meine Arbeit kann ich sagen, die Förderung der lernschwachen und teilleistungsgestörten Kinder aus einer Hand und mit gleichem Förderansatz kann in Kleingruppen sehr erfolgreich gelingen. Von daher würde ich mir mehr Sonderpädagogen mit lerntherapeutischer Zusatzausbildung in Schule wünschen.


Bei einer Weiterbildung zur Inklusionsmoderator*in brachten im Modul Lernbehinderung der Professor und sein Team viele evaluierte Materialien mit. Es waren fast ausnahmslos Klassiker der Lerntherapie wie „Kieler Leseaufbau“, „Hexe Susie“ etc. Auf meine Frage bekam ich zur Antwort: „Wir haben festgestellt, dass diese Materialien auch für lernbehinderte Schüler hilfreich sind.“ Das war eine wunderbare Bestätigung für den von mir schon lange gewählten Weg.

Kritische Anmerkungen

Schule

keine ausreichenden Ressourcen

Schule kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt immer weniger ausreichende personelle und finanzielle Ressourcen bereithalten, um diese Entwicklung erfolgreich zu unterstützen:

  • Für Lerntherapeut*innen im Kollegium bedeutet dies die Gefahr, häufig als Vertretungsreserve für ganze Klassen eingesetzt zu werden.
  • Die vertretbaren Gruppengrößen werden in der Praxis oft um ein Vielfaches überschritten.
  • Es werden keine eigenen Räume bereitgehalten (Arbeit mit dem Notfallkoffer).
  • Grundschullehrer müssen sich für das gemeinsame Arbeiten mit Lerntherapeuten teilweise erst öffnen. Aufklärungsarbeit ist wichtig.
  • Lerntherapeutinnen und Sonderschullehrerinnen müssten die Grenzen und Überschneidungen beider Professionen neu definieren.
Kooperation im multiprofessionellen Team

Lerntherapie

  • Die Ausbildungsinhalte für „Lerntherapie“ müssten um didaktische und methodische Kompetenzen im Bereich Arbeit mit Fördergruppen angepasst und erweitert werden, z.B. beim Einsatz von Gruppenprogrammen oder Arbeitsformen mit heterogenen Gruppen.
  • Lerntherapeut*innen müssten die Ziele der Therapie an die Förderung in Gruppen anpassen, z.B. durch kooperative Lernformen in der Gruppe und/oder eine modifizierte Elterneinbindung.

Forschung

Die vernetzte Förderung von Lerntherapie in Schule wurde in den letzten Jahren in Praxis und Wissenschaft erprobt. Viele Projekte wurden vom Kreisel e.V. im Hamburger Raum initiiert und begleitet, andere vom FiL-Verband und dem Legasthenie-Zentrum Berlin unterstützt.

Interessant zu diesem Thema auch mein Blogbeitrag über Lerntherapie in Schule im Kanton St. Gallen.